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Bei der UN-Klimakonferenz vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen steht die Zukunft unseres Planeten auf dem Spiel. Dort soll ein neues globales Klima-Abkommen verabschiedet werden, mit dem der Ausstoß von Treibhausgasen so verringert werden kann, dass die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit begrenzt wird. Doch der Gipfel droht zu scheitern - vor allem weil die reichen Industriestaaten wie Deutschland nicht bereit sind, ihren fairen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise zu leisten. Dabei geht es nicht nur um ein deutliches Absenken der Treibhausgas-Emissionen in den Industrieländern, sondern auch um die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen und Maßnahmen zu Abfederung der Folgen der Klimaveränderung in den Entwicklungsländern. Am Ende der Verhandlungen dürfte diese Frage entschiedend werden.
Die reichen Industrienationen des Nordens sind die Hauptverursacher des Klimawandels. Aus ihnen stammen fast 75 Prozent des Kohlendioxids, das aufgrund menschlicher Aktivitäten in die Atmosphäre gelangt ist. Sie haben damit die Erdatmosphäre mehr belastet als ihnen zustand – und das schon seit Jahrhunderten. Ein Deutscher emittiert durchschnittlich etwa 11 Tonnen Kohlendioxid, ein Äthiopier dagegen nur 100 Kilo! Doch die ärmsten Länder haben am stärksten unter den Folgen des Klimawandels zu leiden, obwohl sie ihn nicht verursacht haben. Darum sind die reichen Industrieländer als Hauptverursacher des Klimawandels verpflichtet, die Entwicklungsländer beim Klimaschutz und der Anpassung an die Klimaveränderungen finanziell zu unterstützen.
Experten schätzen, dass die finanziellen Mittel dafür bis zum Jahr 2020 auf etwa 110 Milliarden Euro jährlich anwachsen müssten: Etwa 70 Milliarden Euro jährlich werden nach einer Schätzung der EU-Kommission benötigt, um die Treibhausgasemissionen der Entwicklungsländer begrenzen zu können. Und etwa 40 Milliarden Euro Hilfen jährlich werden für Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel gebraucht, schätzt unsere Partnerorganisation Oxfam. Denn selbst wenn es gelingt, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, sind erhebliche Anpassungsmaßnahmen nötig, wie zum Beispiel neue Bewässerungssysteme, veränderte Anbaumethoden und neue Getreidesorten, aber auch Hochwasserschutz, Aufklärungs- und Bildungsmaßnahmen, um die Menschen über neue Gefahren und Risiken zu infromieren. Doch dafür haben viele arme Länder nicht genug Geld.
Der Anteil der Europäischen Union an diesen 110 Milliarden Euro würde bis 2020 auf rund 35 Milliarden Euro jährlich anwachsen.
Als größte Volkswirtschaft in der EU müsste Deutschland davon dann etwa sieben Milliarden Euro jährlich aufbringen. Das klingt nach viel. Doch verglichen mit den dreistelligen Milliardenbeträgen für die Banken und die Autoindustrie ist das eine geradezu lächerliche Summe – es geht immerhin um die Lebensgrundlage von Milliarden Menschen.
Im April 2009 hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Studie (pdf) veröffentlicht, die belegt, dass Deutschlands Exportwirtschaft von einem starken Kopenhagen-Abkommen weit mehr profitieren würde, als von einem schwachen. Zwar müsse von der Bundesregierung auch ein substanzieller Finanzbeitrag für ein ambitioniertes Kopenhagen-Abkommen erwartet werden - etwa in der Größenordnung von 6 bis 10 Milliarden Euro jährlich. Die nach der Studie zu erwartenden positiven ökonomischen Effekte würden diesen Betrag sehr wahrscheinlich um ein Mehrfaches ausgleichen, sodass bereits die Steuereinnahmen höher als die Kosten wären. Denn durch Investitionen in den Klimaschutz entstehen neue Märkte für Klimatechnologien, Dienstleistungen und grüne Produkte - und da sind die Bundesrepublik und die EU gut aufgestellt.
Im Auftrag der britischen Regierung berechnete der frühere Chefökonom der Weltbank, Sir Nicholas Stern (Stern-Report, englisch), was volkswirtschaftlich betrachtet billiger ist - nichts tun und sich den Klimaveränderungen anpassen oder schnell handeln, um die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen? Das Ergebnis von Sterns Berechnungen war eindeutig: Die Folgen des Klimawandels würden jährlich zwischen 5 und 20 % des weltweiten Bruttoinlandsproduktes verschlingen, etwa zur Beseitigung gewaltiger Klimaschäden.
Hunderte Millionen Menschen würden infolge des Anstiegs des Meeresspiegels ihre Siedlungsgebiete verlieren. Das Abschmelzen der Gletscher - etwa im Himalaya führt erst zu massiven Überschwemmungen und später zu Wasserknappheit, wenn die Gletscher erst verschwunden sind. Trockenheit und Dürren könnten ganze Landstriche unbewohnbar machen.